Zu mir:
Ich bin seit 25 Jahren Mitglied der Freiwilligen
Feuerwehr, davon fast 20 Jahre im aktiven Dienst.
Seit 10 Jahren bin ich im Führungsdienst, 6 Jahren
Zugführer des ABC-Gefahrgutzuges des Landkreises
Leer und stellv. Gemeindebrandmeister,
verantwortlich für 6 Ortsfeuerwehren inkl. 2
Stützpunktwehren.
Das Objekt:
Ein Wohnhaus in L-Bauweise mit ca. 200 qm Wohnfläche
mit angebauten Wintergarten und Werkstatt. Auf zwei
Dachflächen waren PV-Module montiert.
Die Lage:
Alarmiert wurde die örtliche Feuerwehr Schwerinsdorf
mit der zuständigen Stützpunktfeuerwehr Hesel.
Alarmiert wurde aufgrund der Meldung "Zimmerbrand im
Wohngebäude". Ich rückte als stellv. GemBM direkt
zur Einsatzstelle aus. Vor Ort trafen wir auf einen
"üblichen" Zimmerbrand mit starker Verqualmung der
Wohnbereiche.
Die Maßnahmen:
Nachdem der Einsatz routinemäßig abgearbeitet wurde,
begann ein Trupp unter PA die Räume im 1.OG über den
betroffenen Zimmer auf Glutnester zu kontrollieren.
Zusätzlich wurde die Wärmebildkamera eingesetzt.
Hierbei wurde festgestellt, dass sich hinter der
Vertäfelung (das komplette Wohnhaus war von unten
bis oben mit Holzverkleidungen versehen) Glutnester
befanden. Hier herrschten Temperaturen von etwa
500-600 Grad. Das gleiche Bild ergab sich im
Erdgeschoss beim Übergang zwischen Wohnhaus und
Wintergarten. Die Verkleidungen wurden entfernt und
die Brandbekämpfung weiter durchgeführt.
Soweit handelte es sich immer noch um einen
einfachen Zimmerbrand.....und die PV-Anlage spielte
noch keine Rolle
Der oben agierende Trupp stellte immer mehr
Glutnester hinter den Verkleidungen, sowie einen
Temperaturanstieg in den oben liegenden Räumen fest.
Zwischenzeitlich wurden die Atemschutzschleifen der
örtlichen Nachbarwehren der Samtgemeinde Hesel sowie
Atemschutzträger der Feuerwehr Remels aus der
Nachbargemeinde Uplengen nachalarmiert.
Innerhalb kürzester Zeit nahm die Rauchentwicklung
so extrem zu, sodass sich die Einsatzleitung (EL)
zum Auslösen der Vollalarmierung der örtlichen
Gemeindefeuerwehren entschlossen hat.
Bis zu diesem Zeitpunkt lag die fehlerfreie
Einsatzleitung bei dem stellv. OrtsBM Hesel Andre
Bauer. Aufgrund der extremen Lageänderung übernahm
der stellv. GemBM Sirke Siebens die Einsatzleitung
und teilte den Einsatz in zwei Abschnitte unter
Führung der Einsatzabschnittsleiter André Bauer und
Christian Busch.
Der Innenangriff wurde massiv erhöht. Zwei Trupps
mit je einem C-Rohr im 1.OG und im Spitzboden, ein
weiterer Trupp mit C-Rohr im EG. Holzverkleidungen
wurden entfernt und Brandnester gelöscht. Trotz der
Maßnahmen stieg die Temperatur im Gebäude extrem an.
Die Elektrizitätswerke hatten die Stromversorgung
zum Gebäude unterbrochen, was bei PV-Anlage
natürlich nicht möglich war. Somit war im
Innenangriff bereits größte Vorsicht geboten, da die
Lage der Wechselrichter und somit die
Verlegerichtung der Zuleitung nicht bekannt war.
Nach ca. 1,5 Stunden Brandbekämpfung im Innenangriff
kam es zwischen 1. OG und Spitzboden zu einer
Rauchgasdurchzündung und einem Temperaturanstieg von
über 1000 Grad. Hieraufhin wurde der sofortige
Rückzug aus dem Gebäude befohlen da eine
erfolgreiche Brandbekämpfung, ohne die Gesundheit
der Kameraden auf´s Spiel zu setzten, nicht mehr
möglich war. Aus dem kompletten Ziegeldach stieg
dicker Brandrauch auf. Auf der hinteren
Gebäudeseite, wo die PV-Anlage montiert war, begann
das Feuer durch die Dachhaut zu schlagen.
Jetzt zur PV-Anlage:
Die Sicherheitsabstände sind Richtwerte. Meiner
Meinung nach dürfen es immer 5 m mehr sein. Aufgrund
der Grundstücksbeschaffenheit war dieses kaum
möglich. Aber es gibt weitere Probleme, die eine
PV-Anlage mit sich bringt.
- Durch die Hitze zerplatzen die Platten und
Glassplitter fliegen unkontrolliert zu Boden und
gefährden die
Einsatzkräfte
- Die Unterkonstruktion aus Metall verliert ab etwa
300 Grad die erforderliche Stabilität. Somit ist mit
einem
Nachgeben, und damit Abrutschen der Anlage und der Einbruch in das
Gebäude zu rechnen. Das Gleiche
gilt für die Dachsparren, die diese Anlage tragen. Durch die Befeuerung
verlieren auch die ihr eigentliche
Tragkraft.
- Es gibt Dünnschichtmodule, in denen
Cadmiumttellurid (CdTe) als Werkstoff verarbeitet
wird. Dieser Stoff
ist hochgradig toxisch und kann beim Zerspringen der Platten freigesetzt
werden.
- Die PV-Anlage verdeckt die vorhandene Dachhaut. Da
diese UNTER der PV-Anlage brennt, ist das
Aufbringen von Löschwasser auf die Module uneffektiv, da das Löschwasser
wieder von den Modulen
herunter läuft, ohne den eigentlichen Brandherd zu erreichen.
Um die Kameraden auf der Rückseite vor den Gefahren
zu schützen, und die Brandbekämpfung aus den o.g.
Gründen zwecklos war, wurde der Löschangriff
unterbrochen. Alle Leitungen wurde soweit wie
möglich zurück genommen und neu verlegt (deswegen
zeitweise keine Schlauchleitungen auf den Bildern zu
erkennen).
Mit Abbruch der Innenbrandbekämpfung nimmt man
zwangsweise den Totalverlust des Gebäudes in Kauf,
da ein Erhalt nur durch einen Aussenangriff i.d.R.
nicht möglich ist. Um Nachbarhäuser vor der
Wärmestrahlung zu schützen, wurde drei angrenzende
Gebäude durch Kühlung mit C-Rohren und
Hydroschildern abgeschirmt. Nachdem das Feuer durch
die Ausbreitung dem Löschwasser wieder ausreichend
Angriffsfläche bot, wurde wieder im vollen Umfang
mit der Brandbekämpfung begonnen. Die Dachseite mit
der PV-Anlage stürzte ca.15 min nach Feuerdurchbruch
langsam in sich zusammen.
Der weitere Verlauf ist dann ja leicht
nachzuvollziehen.
Abschließend:
Insgesamt waren 7 Feuerwehren mit 70 Kräften und 12
Fahrzeugen mehr als 7 Stunden im Einsatz. Zusätzlich
die SEG des DRK Leer zur Sicherstellung des
Eigenschutzes und der Logistigzug des Landkreises
Leer zur Verpflegung des Einsatzpersonals. Weiterhin
beteiligten sich Nachbarn an der Versorgung mit
Kaffee.
Ich hoffe mit dem umfangreichen Einblick für
Klarheit in der Sache gesorgt zu haben, und
vielleicht den Einen oder Anderen dazu bewegt haben,
zukünftig mit Mutmaßungen und Ferndiagnosen
vorsichtiger umzugehen.
Sirke Siebens
stellv. GemBM SG Hesel

Feuerwehr-Magazin-Ausgabe 8/2010
In der Ausgabe der Zeitschrift
"Feuerwehr-Magazin"
vom August 2010 finden Sie eine ausführliche
Berichterstattung über den Einsatz am 17. Februar
2010, bei dem ein Haus mit einer Photovoltaikanlage
brannte.