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Einsatzinformationen

Einsatzbericht der Einsatzleitung vom Gebäudebrand mit einer Photovoltaikanlage in Schwerinsdorf am 17. Februar 2010

Zu mir:

Ich bin seit 25 Jahren Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, davon fast 20 Jahre im aktiven Dienst. Seit 10 Jahren bin ich im Führungsdienst, 6 Jahren Zugführer des ABC-Gefahrgutzuges des Landkreises Leer und stellv. Gemeindebrandmeister, verantwortlich für 6 Ortsfeuerwehren inkl. 2 Stützpunktwehren.

Das Objekt:

Ein Wohnhaus in L-Bauweise mit ca. 200 qm Wohnfläche mit angebauten Wintergarten und Werkstatt. Auf zwei Dachflächen waren PV-Module montiert.

Die Lage:

Alarmiert wurde die örtliche Feuerwehr Schwerinsdorf mit der zuständigen Stützpunktfeuerwehr Hesel. Alarmiert wurde aufgrund der Meldung "Zimmerbrand im Wohngebäude". Ich rückte als stellv. GemBM direkt zur Einsatzstelle aus. Vor Ort trafen wir auf einen "üblichen" Zimmerbrand mit starker Verqualmung der Wohnbereiche.

Die Maßnahmen:

Nachdem der Einsatz routinemäßig abgearbeitet wurde, begann ein Trupp unter PA die Räume im 1.OG über den betroffenen Zimmer auf Glutnester zu kontrollieren. Zusätzlich wurde die Wärmebildkamera eingesetzt. Hierbei wurde festgestellt, dass sich hinter der Vertäfelung (das komplette Wohnhaus war von unten bis oben mit Holzverkleidungen versehen) Glutnester befanden. Hier herrschten Temperaturen von etwa 500-600 Grad. Das gleiche Bild ergab sich im Erdgeschoss beim Übergang zwischen Wohnhaus und Wintergarten. Die Verkleidungen wurden entfernt und die Brandbekämpfung weiter durchgeführt.

Soweit handelte es sich immer noch um einen einfachen Zimmerbrand.....und die PV-Anlage spielte noch keine Rolle

Der oben agierende Trupp stellte immer mehr Glutnester hinter den Verkleidungen, sowie einen Temperaturanstieg in den oben liegenden Räumen fest. Zwischenzeitlich wurden die Atemschutzschleifen der örtlichen Nachbarwehren der Samtgemeinde Hesel sowie Atemschutzträger der Feuerwehr Remels aus der Nachbargemeinde Uplengen nachalarmiert.

Innerhalb kürzester Zeit nahm die Rauchentwicklung so extrem zu, sodass sich die Einsatzleitung (EL) zum Auslösen der Vollalarmierung der örtlichen Gemeindefeuerwehren entschlossen hat.
Bis zu diesem Zeitpunkt lag die fehlerfreie Einsatzleitung bei dem stellv. OrtsBM Hesel Andre Bauer. Aufgrund der extremen Lageänderung übernahm der stellv. GemBM Sirke Siebens die Einsatzleitung und teilte den Einsatz in zwei Abschnitte unter Führung der Einsatzabschnittsleiter André Bauer und Christian Busch.

Der Innenangriff wurde massiv erhöht. Zwei Trupps mit je einem C-Rohr im 1.OG und im Spitzboden, ein weiterer Trupp mit C-Rohr im EG. Holzverkleidungen wurden entfernt und Brandnester gelöscht. Trotz der Maßnahmen stieg die Temperatur im Gebäude extrem an.

Die Elektrizitätswerke hatten die Stromversorgung zum Gebäude unterbrochen, was bei PV-Anlage natürlich nicht möglich war. Somit war im Innenangriff bereits größte Vorsicht geboten, da die Lage der Wechselrichter und somit die Verlegerichtung der Zuleitung nicht bekannt war.

Nach ca. 1,5 Stunden Brandbekämpfung im Innenangriff kam es zwischen 1. OG und Spitzboden zu einer Rauchgasdurchzündung und einem Temperaturanstieg von über 1000 Grad. Hieraufhin wurde der sofortige Rückzug aus dem Gebäude befohlen da eine erfolgreiche Brandbekämpfung, ohne die Gesundheit der Kameraden auf´s Spiel zu setzten, nicht mehr möglich war. Aus dem kompletten Ziegeldach stieg dicker Brandrauch auf. Auf der hinteren Gebäudeseite, wo die PV-Anlage montiert war, begann das Feuer durch die Dachhaut zu schlagen.

Jetzt zur PV-Anlage:

Die Sicherheitsabstände sind Richtwerte. Meiner Meinung nach dürfen es immer 5 m mehr sein. Aufgrund der Grundstücksbeschaffenheit war dieses kaum möglich. Aber es gibt weitere Probleme, die eine PV-Anlage mit sich bringt.

- Durch die Hitze zerplatzen die Platten und Glassplitter fliegen unkontrolliert zu Boden und gefährden die
  Einsatzkräfte
- Die Unterkonstruktion aus Metall verliert ab etwa 300 Grad die erforderliche Stabilität. Somit ist mit einem
  Nachgeben, und damit Abrutschen der Anlage und der Einbruch in das Gebäude zu rechnen. Das Gleiche
  gilt für die Dachsparren, die diese Anlage tragen. Durch die Befeuerung verlieren auch die ihr eigentliche
  Tragkraft.
- Es gibt Dünnschichtmodule, in denen Cadmiumttellurid (CdTe) als Werkstoff verarbeitet wird. Dieser Stoff
  ist hochgradig toxisch und kann beim Zerspringen der Platten freigesetzt werden.
- Die PV-Anlage verdeckt die vorhandene Dachhaut. Da diese UNTER der PV-Anlage brennt, ist das
  Aufbringen von Löschwasser auf die Module uneffektiv, da das Löschwasser wieder von den Modulen
  herunter läuft, ohne den eigentlichen Brandherd zu erreichen.

Um die Kameraden auf der Rückseite vor den Gefahren zu schützen, und die Brandbekämpfung aus den o.g. Gründen zwecklos war, wurde der Löschangriff unterbrochen. Alle Leitungen wurde soweit wie möglich zurück genommen und neu verlegt (deswegen zeitweise keine Schlauchleitungen auf den Bildern zu erkennen).

Mit Abbruch der Innenbrandbekämpfung nimmt man zwangsweise den Totalverlust des Gebäudes in Kauf, da ein Erhalt nur durch einen Aussenangriff i.d.R. nicht möglich ist. Um Nachbarhäuser vor der Wärmestrahlung zu schützen, wurde drei angrenzende Gebäude durch Kühlung mit C-Rohren und Hydroschildern abgeschirmt. Nachdem das Feuer durch die Ausbreitung dem Löschwasser wieder ausreichend Angriffsfläche bot, wurde wieder im vollen Umfang mit der Brandbekämpfung begonnen. Die Dachseite mit der PV-Anlage stürzte ca.15 min nach Feuerdurchbruch langsam in sich zusammen.

Der weitere Verlauf ist dann ja leicht nachzuvollziehen.

Abschließend:

Insgesamt waren 7 Feuerwehren mit 70 Kräften und 12 Fahrzeugen mehr als 7 Stunden im Einsatz. Zusätzlich die SEG des DRK Leer zur Sicherstellung des Eigenschutzes und der Logistigzug des Landkreises Leer zur Verpflegung des Einsatzpersonals. Weiterhin beteiligten sich Nachbarn an der Versorgung mit Kaffee.

Ich hoffe mit dem umfangreichen Einblick für Klarheit in der Sache gesorgt zu haben, und vielleicht den Einen oder Anderen dazu bewegt haben, zukünftig mit Mutmaßungen und Ferndiagnosen vorsichtiger umzugehen.

Sirke Siebens
stellv. GemBM SG Hesel

 


Feuerwehr-Magazin-Ausgabe 8/2010


In der Ausgabe der Zeitschrift "Feuerwehr-Magazin" vom August 2010 finden Sie eine ausführliche Berichterstattung über den Einsatz am 17. Februar 2010, bei dem ein Haus mit einer Photovoltaikanlage brannte.

 
 

Kontakt: Bei Fragen rund um den Photovoltaikeinsatz stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung! Nehmen Sie einfach via Email Kontakt mit uns auf.

 
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